Die Schreiberwerkstatt im Gespräch…
Die 1970er-Jahre. Für das Eglofser Theater ein recht kurzer Sprung in die Vergangenheit.
Woher kam der Antrieb zum Inhalt und zur Zeitepoche dieses Stücks?
Karl-Heinz Marx: Das war ziemlich schnell entschieden. Vor zwei Jahren spielten wir mit dem Stück „1523 – Aufbruch in eine neue Zeit“ die Vorzeit vor dem Bauernkrieg. Das lag weit zurück in der Vergangenheit. Unser Ansatz ist der, dass wir ein Stückle nehmen, das vor längerer Zeit stattgefunden hat und dann eines aus der neueren Zeit.
Gab es besondere Erkenntnisse beim Ideen-Finden und Schreiben zu diesem Stück?
Karl-Heinz Marx: Das Besondere ist, dass die Zeit noch nicht so lange her ist. Ich kenne sie aus meiner Kindheit und Jugend. Wenn man dann eine Weile in der Stoffsammlung drin ist, ist man dann dennoch verwundert, was alles war zu der Zeit. Man denkt dann manches Mal, uii, ist das schon so lange her? Oder andersherum: Das ist genau das gleiche Problem, das es heute auch noch gibt.
Wer bringt die Ideen aufs Papier?
Karl Rauch: Das ist meine Aufgabe. Wir treffen uns in der Regel einmal in der Woche und sammeln den Stoff. Wenn‘s um historische Sachen geht, dann ist Karl Milz gefragt und wir beraten uns, was man machen könnte. Dann verzieh ich mich an meinen Küchentisch. Dort versuch ich meist abends irgendetwas aufs Papier zu bringen. Manchmal läuft es ganz gut und manchmal ist es auch zäh. Wie im richtigen Leben eben auch.
Zum Inhalt des Stücks. Ist die Geschichte frei erfunden oder wie kommt man zu den einzelnen Szenen?
Karl Milz: Man muss hier den Ablauf der Schreiberwerkstatt sehen. Wir beginnen im Mai des Vorjahres mit der historischen Datensammlung. Da gibt es eine regelrechte Begeisterung, was wir alles reinbringen. Und dann kommt die Zeit ab Juli, wo Karl Rauch dann schreibt und die Dialoge erstellt. Im November geht es dann in die Fertigstellung und oft folgt dann die Ernüchterungsphase, wie wenig historische Fakten noch im Stück enthalten sind. Als Historiker würde man liebend gerne alle Daten reinbringen. Unsere Besucher wollen aber keinen Geschichtsunterricht, sondern einen schönen Abend erleben. Alle Fakten lassen sich aber auf Quellen zurückführen. Die Lebensgeschichte, das Drumherum, ist meist aber frei erfunden oder zumindest sehr angepasst, damit es auch ein schönes und spielbares Stück gibt.
